Neugründung einer Gesamtschule

Unser Projekt “Kinder der Zukunft” soll weiter wachsen. Zum Sommer 2024 werden wir eine weiterführende Gesamtschule gründen, an der die Kinder ihren im Kinderhaus und der Grundschule begonnenen Weg fortsetzen können. Die Gesamtschule ist eine Schulform, bei der die Differenzierung zwischen den Bildungsgängen innerhalb einer Schule vorgenommen wird, das heißt, verschiedene Abschlüsse an ein und derselben Schule möglich sind. Nur dieses Modell einer weiterführenden Schule entspricht der Idee der Montessori-Pädagogik und führt den Gedanken des Lernens in Gemeinschaft konsequent fort: Jedes Kind wird individuell nach seinen Möglichkeiten und mit seinen Stärken gefördert.

 

Leitbild

Unsere Gesamtschule soll ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche gerne lernen und leben. Das Lernen wird dabei nicht künstlich vom praktischen Leben getrennt, sondern die Lernprozesse und Ziele sollen mit Erfahrungen verknüpft werden – und umgekehrt auch von individuellen Erfahrungen ausgehen. Eine entsprechend vorbereitete Lernumgebung wird diese Lernprozesse begünstigen. Lernorte sind neben Fach- und Gruppenräumen selbstverständlich auch die Natur, die Kommune und die Region. An unserer Gesamtschule soll die Begeisterung für Handwerksberufe ebenso gefördert werden wie das Interesse an einer akademischen Laufbahn. Diese Gleichwertigkeit ebnet den Weg in eine moderne Gesellschaft von morgen.

Die Gesamtschule ist – wie auch schon Kinderhaus und Grundschule – von den Leitgedanken der Montessori-Pädagogik inspiriert. Die gesetzten Bildungsziele entsprechen denen der in der Agenda 2030 verankerten Bildung für Nachhaltige Entwicklung (BNE), die Heranwachsende vor allem zu Eigenverantwortung und Mündigkeit ermuntert. Interdisziplinär vernetztes Wissen mit engem Bezug zu den individuellen Fragestellungen des Lebens tritt an die Stelle sinnentleerter Leistungsorientierung. Projektorientiertes Lernen schlägt dabei die Brücke zwischen den Curricula des Landes NRW und dem natürlichen Wissensdurst der Schülerinnen und Schüler. Nicht zuletzt unsere digitale Lernplattform DiLer wird den Heranwachsenden die Möglichkeit zum selbstbestimmten und eigenständigen Lernen bieten – der Digitalisierung und damit der Medienkompetenz kommt also ebenso eine bedeutende Rolle zu.

 

Erdkinderplan

Maria Montessori hat diese Idee der Verknüpfung von Theorie, Praxis und Lebensbezug bereits zu ihrer Zeit entwickelt, zu Ende gedacht und mit ihrem Ansatz somit auch die “weiterführende Schule” komplett “auf den Kopf” gestellt. Nicht Willkür oder romantisch-naive Vorstellungen prägen ihr Konzept, sondern das konsequente Denken von “Schule” aus der Perspektive von “Menschen” – in diesem Fall Heranwachsenden:

Montessoris Erdkinderplan sieht vor, dass Heranwachsende im Alter von ca. 12-14 Jahren – also zu Beginn ihrer Pubertät – ihre Schulzeit nicht vordergründig in Klassenräumen verbringen und sich mit Dingen beschäftigen müssen, die sie derzeit ohnehin nicht interessieren, sondern dass “Schule” ihnen die Gelegenheit gibt, sich mit dem auseinanderzusetzen, was sie in dieser hoch komplexen Entwicklungsphase beschäftigt: mit sich selbst, ihrem Körper, ihrem sozialen Umfeld und der so wichtigen Frage nach dem Sinn – nach dem großen Ganzen und ihrem individuellen Platz darin.

Montessori teilt die Zeit von der Geburt bis zum vollendeten 18. Lebensjahr in drei Phasen, denen sie stets ein Leitbild der pädagogischen Zielsetzung voranstellt:

  1. Phase (0-6 Jahre): “Hilf mir, es selbst zu tun”
  2. Phase (6-12 Jahre): “Hilf mir, selbst zu denken”
  3. Phase (12-18 Jahre): “Hilf mir, meinen Platz in der Welt zu finden”

Heranwachsende finden mit dem Konzept des Erdkinderplans in der 3. Phase ab Jahrgangsstufe 7 also eine Schule vor, die sie anspricht, motiviert und individuell in ihrem Prozess der Transformation vom Kind zum Erwachsenen begleitet – wie zuvor auch schon Kinderhaus und Grundschule. Sie lernen in dieser “Jugendschule” die Arbeit auf dem Feld, in der Natur, mit Technik und Tieren und natürlich auch (Haus-)Wirtschaft, Gesellschaftslehre und Informatik. Praktisch bewirtschaften sie – je nach individueller Interessenslage – unter Anleitung eines erfahrenen Landwirts kleinere Felder; reparieren, konstruieren und bauen mit einem erfahrenen Handwerksmeister dafür notwendige Maschinen, Ställe und Aufenthaltsorte, organisieren den professionellen Verkauf ihrer Produkte an die Schulküche, auf dem Markt oder im eigenen Hofladen; managen die Internatsplätze für den internationalen Austausch im Haus Carola oder bewirtschaften ein kleines Café auf dem Schulgelände. Das curriculare Handwerkszeug wird ihnen dazu ganz selbstverständlich “on demand” zur Verfügung gestellt, durch gezielte Inputs der Lehrkräfte, die auf Nachfrage auch individuelle Fragestellungen und Problemsituationen mit ihnen bearbeiten und damit die Brücke zwischen Praxis und Theorie herstellen, die dann aus dem Interesse der Heranwachsenden deren Lebenswelt einbezieht.

Theoretisches Lernmaterial ist ihnen permanent über die digitale Lernplattform “DiLer” (Alemannenschule Wutöschingen) zugänglich, den Besuch von Inputveranstaltungen und vertiefenden Einführungskursen stimmen sie wöchentlich mit ihrer Lernbegleiter:in ab, die sowohl den curricularen Leistungsstand, den angestrebten Schulabschluss als auch die individuellen Entwicklungspotenziale im Blick behält.

Wir finden, dass diese Form der “Schule” die einzige Option ist, Montessoris Idee in einer weiterführenden Gesamtschule konsequent umzusetzen und zu leben. Zum Glück sind wir nicht die ersten, die es ausprobieren:

Hören und sehen wir dann, dass es wissenschaftliche Untersuchungen gibt, die exakt diese Form des Lernens befürworten – insbesondere der Neurobiologe Dr. rer. nat. Dr. med. habil Gerald Hüther beforscht seit Jahrzehnten, wie Lernen optimal gelingen kann – so sind wir beruhigt, dass auch auf diesem unter dem Motto Hüthers

“Begeisterung ist Dünger für das Gehirn”

bestätigt wird, dass wir richtigliegen.